Steirisches Startup rettet mit ultravioletter Folie Vogelleben

Wer kennt sie nicht – ob nun an öffentlichen Gebäuden, Bushaltestelle oder Bahnhofshallen – die kleinen schwarzen Aufkleber oftmals in Form einer Schwalbe. Durch diese sollen Vögel Glasscheiben besser erkennen können und so Vogelschlag verhindert werden. Einwandfrei funktioniert das allerdings nicht. Ein Startup des Zentrums für angewandte Technologie Leobens hat nun eine neue Möglichkeit zum Vogelschutz entwickelt. Das Startup BirdShades hat eine speziell Klebefolie entwickelt, welche ultraviolettes Licht reflektiert. Anders als Menschen, können viele Vögel dieses wahrnehmen und sind vor der nahenden Fensterscheibe gewarnt. Für den Menschen ist die Folie unsichtbar und somit bleibt der freie Ausblick gewahrt.

DIE VOGELSCHUTZFOLIE AM SCIENCE TOWER IN GRAZ ©GREENTECHCLUSTERSTYRIA


Vogelschlag zweithäufigste Todesursache

Gegründet wurde BirdShades 2018 von den Biologinnen Bettina Kain und Dominique Waddoup. Die Kollision mit Glasflächen ist nach Aussagen des Startups die zweithäufigste vom Menschen verursachte Todesursache für Vögel. Dadurch sind sie auf die Idee gekommen nach Möglichkeiten zu forschen, welche die Fensterkollisionen von Vögeln und den daraus resultierenden Verletzungen verringern können.

Die ultraviolette Folie von BirdShades trifft einen aktuellen Nerv. Mit der Betaversion der Folie stattete das Startup einige Fensterflächen des Science Towers in Graz aus, konnte die ÖBB als Pilotkunden gewinnen und ist auf der IÖB – innovationsplattform gelistet.


Wirksamkeit wissenschaftlich geprüft

Die Wirksamkeit der UV-Klebefolie war nun auch Bestandteil einer wissenschaftliche Studie. Der amerikanische Wissenschaftler John Swaddle ist Fakultätsleiter des William & Mary Institute in Williamsburg, Virginia und hat zusammen mit Timothy Boycott und seines Teams 2020 die Wirksamkeit des Vogelschutzes untersucht. Dafür haben sie einen Flugkanal erbaut und das Verhalten von in Menschenhand aufgewachsenen Zebrafinken und von freilebenden Braunkopf-Kuhstärlingen untersucht.

Der Flugkanal bestand aus einem abgedunkelten sieben Meter langen Tunnel, der zum Ende hin offen war und so Tageslicht eindrang. Fünf Meter vor dem Tunnelausgang standen zwei gerahmte Fenster. Damit die Tiere sich nicht verletzen, war vor den Fenstern ein feines Nylonnetz gespannt.


Folie senkt Anzahl von Kollisionen

Bei den Durchgängen, bei welchen die Fenster mit einer völlig transparenten Folie beklebt waren, wichen 85% der Zebrafinken und 100% der wildlebenden Braunkopf-Kuhstärlingen diesen nicht aus. Waren die Fenster mit der ultravioletten Klebefolie des steirischen Startups beklebt, wichen nur 42% der Zebrafinken den Fenstern nicht aus und 71% der Braunkopf-Kuhstärlingen. Außerdem stellten die Wissenschaftler eine Verringerung der Fluggeschwindigkeit der Vögel bei den Durchgängen mit der ultravioletten Klebefolie fest. Im Durchschnitt flogen beide Vogelarten 25% langsamer auf die Fenster zu und die Verletzungsgefahr ist so auch bei einer Kollision gesenkt.