Pater Georg Sporschill

Donnerstag ist ja mein Inspirationstag.

Heute möchte ich dir einen ganz wunderbaren Menschen vorstellen:

Pater Georg Sporschill

Er lebt seit drei Jahrzehnten in Rumänien und hat sein Leben der Arbeit mit Straßenkindern verschrieben.

Wie sind Sie nach Rumänien gekommen?

Das hat sich erst mit der Zeit entwickelt. Der damalige Charitaspräsident, vertraute mir ein Haus zur Betreuung von obdachlosen, drogensüchtigen und strafentlassenen Jugendlichen an. Bald gründete ich noch zwei Obdachlosenhäuser für Männer, ein Frauenhaus, Projekte für Langzeitarbeitslose (Inigo) und den Canisibus. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat mich der Jesuitenorden sechs Monate nach Rumänien zu den Straßenkindern geschickt. Daraus sind mittlerweile 30 Jahre geworden.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

Als Priester und Sozialarbeiter habe ich keinen typischen Arbeitstag. Ich lebe in einer bunten Gemeinschaft mit jungen Volontären aus ganz Europa und mit Roma zusammen. Das ist mir wichtig, damit wir nicht über sie sondern mit ihnen reden. Am Morgen halten wir ein Gebet ab und am Abend feiern wir eine Messe. Unter Tags geht jeder seiner Tätigkeit nach. Für mich steht der Kontakt zu den Menschen im Vordergrund. Daneben gibt es natürlich auch klassische Schreibtischarbeit zu tun.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit?

Wenn man an Roma denkt, hat man oft das Bild des Bettlers im Kopf. In einem rumänischen Dorf herrscht immer noch eine strikte Trennung. Obwohl sie schon seit 800 Jahren im Land leben, werden die rund 2 Millionen Roma immer noch als eigenes Volk wahrgenommen und leben isoliert. Sie bewohnen im Dorf eigene Viertel und haben einen schwereren Zugang zu sanitären Grundbedürfnissen und Bildung. Ein Großteil sind Analphabeten und vertreten die Ansicht, dass ihre Kinder lieber früh Geld verdienen sollten als studieren zu gehen.

Immer noch gibt es Roma-Kinder, die mit 13 Jahren heiraten. Ebenso ist es keine Seltenheit, dass eine Frau mit 30 bereits acht oder zehn Kinder versorgt, jedoch keine Bildung hat und keiner Arbeit nachgeht. Das Betteln, Stehlen oder die staatliche Förderung sind oftmals die einzigen Einnahmequellen von Familien. Man muss sich die Frage stellen, wie so ein Lebenskonzept in die Europäische Union passt und wie man diese Situation verbessern kann. Wir glauben daran, dass Bildung der Schlüssel ist und versuchen die Kinder in die Schule zu bekommen. Theoretisch gibt es natürlich die Schulpflicht, aber die Realität sieht anders aus. Die Eltern und die Lehrer müssen daher eingebunden werden, um diesen Weg mitzugehen.

Was sind die schönsten Momente Ihrer Arbeit?

Eine große Motivation sind für mich die Erwartungen und das entgegengebrachte Vertrauen der Menschen. Durch meine Arbeit konnte ich viele ehrliche Freundschaften knüpfen. Es steht aber immer die Hilfe zur Selbsthilfe im Fokus. Ziel ist es, die Menschen dazu zu ermächtigen, ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Unser Motto ist: Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.


Dieses Interview wurde von GUTER ZWECK.at gemacht